Bautagebuch

Bautagebuch

Ein Ferienhaus auf Rügen? Geplant war das gar nicht – eher ein schöner Zufall. Ostsee-Fans waren wir schon immer. Ein Spontanurlaub im Sommer 2015 verschlug uns dann auf die Sonneninsel Rügen in das Örtchen Lancken. In der Nachbarschaft stand ein hübsches Grundstück zum Verkauf.  Erst war es eine „Spinnerei“ – die uns jedoch auch nach Urlaubsende keine Ruhe ließ.

Nach dreimonatigem Abwägen und etlichen Recherchen, entschieden wir uns im September 2015 zum Kauf.  Schon vor dem Grundstückskauf haben wir uns in Bautagebüchern belesen, im Internet recherchiert und mit eventuellen Nachbarn Kontakt aufgenommen.  Um zukünftigen Bauherren auf Rügen eine Hilfe zu bieten, folgend nun ein zeitlicher Abriss über Grundstückskauf und Bauablauf.

 

2015 – Ämter, Rechnungen und viel Papierkrieg

Anfang Juli Eine Woche Urlaub in Lancken
Mitte Juli Recherche nach weiteren Grundstücken und Baufirmen vor Ort. Fazit: Grundstückspreise enorm hoch.
Schätzung der Kosten für Hausbau und spätere laufende Kosten
Kontaktaufnahme zum Grundstückseigentümer, wir gehen mit einem positiven Gefühl nach Hause.
August Besuch in Zwickau bei Firma Krauß (hat Baugebiet erschlossen),
Ergebnis: Grundstücke zu groß und zu preisintensiv
Baugrundgutachten, Ergebnis: zum Glück keine Altlasten aus dem ehemaligen NVA-Gelände
Mitte September Grundstückskaufvertrag aufgesetzt
Kaufvertrag von unserem Notar in Thüringen beurkundet
Vorkaufsrechtsverzicht der Gemeinde Dranske ist da
Erster Termin bei unserem Architekt in Thüringen
Ende September Nochmal eine Woche Urlaub in Lancken im Haus gegenüber von unserem zukünftigen Grundstück:
Wir schwelgen in Vorfreude auf ein eigenes Ferienhaus direkt an der Ostsee!
Oktober Erste Grundriss-Vorschläge vom Architekt liegen vor
Architekten-Pläne werden 4-5 mal neu angepasst
Angebote einholen: Baufirma, Sanitär, Fenster, Reetdachdecker, Treppe, Estrich, Innenputz, Außenklinker
November Architektenplan ist fertig
Erste Angebote trudeln ein
ENEV- und Energieausweis ist fertig (Ingenieurbüro in Thüringen)
Statik ist fertig (von unserem Statiker aus Thüringen)
Dezember Für den Bauantrag fehlt noch der amtliche Lageplan. Reichen wir direkt nach.
Reetdach macht uns Sorgen: Alle Angebote viel zu preisintensiv. Frau will aber unbedingt Reet.
Zwischen den Feiertagen trudelt Post vom Amt Nordrügen ein:
Der Bauantrag ist abgesegnet!!! Da wir in einem B-Plan-Gebiet bauen werden, mussten wir uns „nur“ an die Vorgaben halten. Es kann also nach dem Frost losgehen.

 

Der bisherige Papierkrieg lief keinesfalls so reibungslos, wie es hier den Anschein macht. Die Mühlen der Ämter im hohen Norden mahlen sehr langsam, würde man nicht wöchentlich nachhaken. So eine Grundschuldeintragung dauert gern mal ein Jahr, wenn man nicht täglich auf Dringlichkeit hinweist.

Aber einmal (zufällig) mit der richtigen Person gesprochen, war fünf Tage später die Grundschuldeintragung vollzogen. In den langen (zermürbenden) Wartezeiten zwischendurch beschlichen uns schon so manchmal Zweifel, ob wir das Richtige tun. Aber letztendlich hielten wir Ende Dezember alle erforderlichen Unterlagen für einen pünktlichen Baubeginn in den Händen.

2016 – Unser Ferientraum entsteht

Januar Reetdach doch noch bei der Firma angefragt, welche anfänglich immer nicht erreichbar war. Ergebnis: Nicht nur der Preis passt, sondern auch auch unsere speziellen Wünsche können mit einfließen.
1. Schrank fürs Ferienhaus ist gekauft!
Ende Februar 3 Tage Rügen: Baustromkasten aufgestellt + anschließen lassen von Stromversorger; Bauwasseranschluß in Betrieb genommen und frostsicher verpackt; Alles hat so geklappt, wie geplant: Sanitär-Firma hat beim Bauwasser auch gleich Stromkabel freigelegt, so dass wir gut rangekommen sind. Erstes Fazit: bis jetzt klappten alle Termine und Absprachen sehr gut.
Treffen mit favorisierter Rohbaufirma; Abstimmung mit unserer Fenster-Außendienstlerin; Versicherung für Rohbau wird vor Ort abgeschlossen.
Endlich Entscheidung für Reetdach – Fa. Wasenitz aus Stralsund soll es errichten, vorher soll unser heimischer Zimmereibetrieb den Dachstuhl stellen; außerdem entscheiden wir uns wieder für Aufdachdämmung.
März Eckpunkte des Hauses werden vom Vermesser abgesteckt
In KW 10 rückt der Bagger unserer Rohbaufirma Mielke & Wiek an; KW 11: Streifenfundamente mit Käfigen werden vorbereitet; KW 12: Bodenplatte ist fertig.
April KW 13 & 14: Erdgeschosswände werden gemauert – man sieht schon, was es werden soll; Kommunikation mit Rohbauer klappt sehr gut. Dank whatsapp sind wir Bilder-technisch immer auf dem Laufenden.
In KW 15 sind wir wieder für 3 Tage auf Rügen: Die Erdgeschossdecke wird gelegt und wir verlegen die Elektrokabel und bohren schon mal die Steckdosen im Erdgeschoss. Im Anschluß wird gleich die Erdgeschossdecke betoniert. Wieder klappt alles gut.
Ab Mitte April haben wir reichlich 2 Wochen zu tun, zu Hause die Dachbalken und die Sichtschalung zu streichen. Viel Arbeit für zwei Leute, wir sind ein wenig genervt!
Unterdessen wird auf Rügen das Obergeschoss gemauert.
Mai Montag den 2. Mai fährt „unsere“ Zimmerei schon vor und stellt den Dachstuhl.
Dienstag, 3. Mai: Richtfest!!
Wir haben uns für eine Woche in ein Ferienhaus im Wohngebiet eingemietet, bringen die Sichtschalung und Unterspannbahn an und am Ende noch die Aufdachdämmung + Lattung. Die eine Woche ist viel zu schnell um für die viele Arbeit. Kleinigkeiten lassen wir für die Reetdachfirma übrig.
Das Reetdach wird ab Mitte Mai errichtet.
Juni Nach knapp 3 Wochen ist das Reetdach fertig. Es sieht toll aus und es war eine völlig problemlose Zusammenarbeit mit der Reetdachdeckerei Fa. Wasenitz. Reibungslos, ohne irgendwelche Überraschungen.
Parallel zum Reetdach enstand die Klinkerfassade durch unsere Rohbaufirma Mielke & Wiek. Wären wir mit der Klinker-Auswahl schneller gewesen, hätten die Klinker-Arbeiten eher beginnen können. Aber es gibt sooooo viel Auswahl. Insgsamt dauerte die Klinkerfassade mit zwei Handwerkern dann reichlich 5 Wochen.
Im Juni sind wir über zwei verlängerte Wochenenden auf Rügen: Wir schlitzen die Wände für die Kabel auf, bohren Dosenlöcher und ziehen Kabel. Außerdem müssen noch ein paar Abdichtungsarbeiten außen vorgenommen werden.
Juli 5 Tage Rügen: Kabel verlegen, Trockenbau und Drempel dämmen.
Vorbereitungen Innenputz – und dann Ende Juli ist innen alles verputzt.
Ende Juli: ENDLICH!! Das Gerüst ist weg und außen sieht das Ferienhaus schon sehr „fertig“ aus.
August 4 Tage werden die Fußbodenheizungsplatten im ganzen Haus verlegt.
Anfang August kommt auch der Estrich rein. Nun heißt es: Böden 4 Wochen trocknen lassen.
Nebenbei suchen wir immer noch die letzten Fliesen aus. Die Bäder sind ausgewählt, aber wir können uns beim Eingangsbereich einfach nicht entscheiden.
Internet-Präsenzen für die Vermieterei werden aufgebaut. Website, Facebook-Seite und der Eintrag auf dem ersten Urlauberportal ist fertig. (Nachtrag: Seit September inserieren wir auf den 3 größten dt. Urlaubsportalen.)
Ende August: Die Gastherme wird angeschlossen und der Fliesenleger beginnt die Wände zu fliesen.
September Innerhalb von zwei Wochen werden beide Bäder, der Küchenfliesenspiegel und der untere Flur gefliest.
Eine Woche Rügen: Innenleben der Steckdosen einbauen, Decken spachteln, zwei Räume Laminat gelegt.
Inserate auf Ferienhausmiete.de, Traumferienwohnungen.de und auf FeWo-direk.de sind geschaltet. Die ersten 5 Buchungen sind da!
Endmontage der Sanitärinstallationen. Die Heizung funktioniert!!!
Probleme mit der Küchenlieferung: Einbautermin auf Mitte Oktober verschoben.
Ende September baut Treppen & Saunabau Thoms aus Stralsund die Treppe ein. Herr Thoms nimmt gleich das Aufmaß für die Sauna.
Innerhalb einer Woche malert & tapeziert unser Malermeister aus Thüringen das ganze Haus.
Bodenplatte für Gartenhäuschen wird betoniert und die Terasse & der Hauseingang gepflastert.
Oktober Mitte Oktober: Küche wird eingebaut. Leider mit Ersatzspüle und Müllsammler passt nicht. Soll Ende November (!!!) ausgetauscht werden. Dafür, dass wir die Küche schon im Februar ausgesucht und bezahlt haben, klappte die ganze Küchen-Geschichte am schlechtesten. Liegt wohl an der Kollegenauslieferung. Wäre wohl besser gewesen, ein Küchenstudio vor Ort zu nehmen.
Wir mieten einen Sprinter und bringen alle Möbel, Lampen, den Kamin und viel Hausrat an Ort und Stelle. Mann hat wie immer Recht: Es passen nicht alle Einrichtungsgegenstände in den großen Sprinter. Familie muss mit weiterem Transporter nachreisen.
Eine Woche Rügen: Laminat muss noch in die letzten beiden Schlafzimmer und in den oberen Flur. Steckdosenrahmen und Lampen werden angebracht. Sauna wird eingebaut (eine Woche früher, als geplant). Zweitätiger Saunaeinbau klappt reibungslos! Großputz im Haus. Danach endlich Gardinen & Deko!
Außenarbeiten: Eine neue Schicht Erde wird aufgetragen und der Parkplatz angelegt. Erste Pflanzen zieren den Eingangsbereich.

 

Ferienhaus fertig – unser Fazit

Ab November 2016 hat sowohl unsere „Testfamilie“, als auch wir das Ferienhaus getestet. Natürlich fielen da noch ein paar Kleinigkeiten auf: Dinge die fehlten oder Equipment was nicht so toll funktionierte. Haben wir schnell noch alles ergänzt und ausgetauscht, bis dann Ende Dezember die erste „echte“ Familie das Haus mietete. Zum Glück fiel unsere erste Gästebewertung gut aus! Nachzulesen im Gästebuch unter Fam. Kügler.

Zur endgültigen Fertigstellung ist noch der Aufbau des Gartenhäuschens, die Errichtung des für Rügen typischen Friesenwalls und die Begrünung der Außenanlage notwendig. Schwierig an jeglicher Bautätigkeit ist jetzt, auf den Belegungsplan Rücksicht nehmen zu müssen, denn wer will im Urlaub den Bagger beobachten? Aber auch das kriegen wir noch hin.

Was immer noch nicht geklappt hat: trotz mehrmaliger Anläufe konnte das Spülbecken noch nicht ausgetauscht werden. Mal war die neue Spüle für den Ausschnitt in der Arbeitsplatte zu klein, mal kam ein falsches Montageteam, ein anderes Mal wurde die Spüle an die falsche Adresse geliefert. Und trotz allem: wir würden wieder in dem Möbelhaus in Thüringen kaufen. Eine komplette Markenküche für einen so humanen Preis haben wir bisher noch nirgends anders gefunden. Es war einfach eine Verkettung unglücklicher Umstände. Auch das wird noch positiv enden. (Nachgang: im März 2017 wurde auch die Spüle zu unserer Zufriedenheit ausgetauscht *Freude*)

Im Nachhinein betrachtet waren die nervigsten Dinge die folgenden: Papierkrieg mit den Ämtern bevor der Bau überhaupt los ging; kaputte Tür geliefert – Nachlieferung dauerte eine gefühlte Ewigkeit; Spülbecken!!!; Uneinigkeit bei der endlosen Fliesenauswahl. Viele haben uns auf den logistischen Aufwand angesprochen, immer so viele Kilometer fahren zu müssen, so viel einpacken zu müssen etc…. aber daran gewöhnt man sich. Irgendwann ist das Haus ja fertig und aller Aufwand hat sich gelohnt. Und die Frage, ob wir nochmal so ein Projekt in der Ferne in Angriff nehmen würden: ganz klar – sag‘ niemals nie 🙂